Literatur: Was, wenn Engel fallen...


Und dann stürzte ich in die Tiefe, deren Boden noch nicht einmal sichtbar war.
Vorher habe ich mir unendlich viele Gedanken gemacht, was danach passieren könnte. Nach dem Fall vom Himmel, der viele Jahre mein Zuhause gewesen war. Die Gründe waren mir wohl bewusst, warum ich nun diesem Weg folgen musste.

 
Schon immer war ich sehr direkt und impulsiv gewesen, was dazu führte, dass ich nicht immer aufpasste, wer mich hörte, wenn ich mich aufregte. Das ließ man sich natürlich nicht gefallen, weil es nicht üblich war. Alle und jeder waren immer und überall bedacht darauf gewesen, was man sagt und vorallem wer es hört. Eigene Meinungen waren nicht gern gesehen; im Gegensatz zu Anpassung. Wenn man aber genau schaute, konnte man erkennen, wie mühselig es für jeden war, immer eine Maske tragen zu müssen; immer auf der Hut zu sein, dass die Fassade nicht bröckelt. Es zerstörte jeden.


Trotzdem war dort meine Familie und ich hatte sie im Stich gelassen, war nicht achtsam genug gewesen.
Der Fall wurde immer als das schlimmste von allem angesehen. Angeblich soll er schmerzhaft sein, wie ein Band, welches dann, nicht wie ein Pflaster mit einem Ruck, sondern langsam reißt und die Verbindung durchtrennt wird. Über das Leben danach, falls man es überhaut so nennen kann, wird kaum gesprochen. Gefallene sind abtrünnige; sie gehören nicht mehr dazu, sind schmutzig und haben die Engelsmagie verloren, weshalb sie normal und langweilig sind. In die Welt der Menschen zu kommen war eine Beleidigung. Menschen waren dumm, unbesonders und irgendwie alle die gleichen. Einer hatte das Sagen und alle rannten hinterher. Als ich genauer darüber nachdachte fiel mir allerdings kein großer Unterschied zu uns auf.


Dennoch waren wir die Beschützer, übergeordnet und angesehener. Wir wurden bewundert, auch wenn sich hauptsächlich Sagen um uns rankten. Wir- ich war nicht mehr das wir. Jetzt wo ich fiel, fehlte einem Menschen sein Bewacher. Was geschah dann mit ihm? Für sein Schicksal war ich verantwortlich. Und ich war nun ganz allein, hatte niemanden mehr.  Mir rollte die erste rote Träne über die Wange, während ich das realisierte. Für den Rest des Falls war mein Kopf wie leergefegt. Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen; fühlte nur noch den Schmerz der Trennung.


Unerwartet sachte landete ich schließlich auf der Erde und schloss die Augen, weil ich nichts sehen, hören oder fühlen wollte. Ich wollte nicht hier sein, weinte um das, was ich verloren hatte. Die Überforderung und der schmerz nahmen mich vollkommen ein.
Und dann, irgendwann, öffnete ich die Augen.

Kommentare

  1. Wundervoller Beitrag!

    Tolle Festtage, Marie | http://marieceliine.blogspot.de

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  2. Wunderschöner Text !

    Maja | https://alohandhello.blogspot.de/

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  3. Zauberhafte Bilder, so schön!
    xx

    https://summerlights-skye.blogspot.de

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  4. Oh, dein Blog erinnert mich gerade an meine Anfänge. Schon verrückt, wie man sich im Laufe der Zeit verändert.
    Aber ich kann deine Gefühle irgendwie nachvollziehen. Wichtig ist es nur immer aufzustehen.
    Liebst, Katja
    www.amoureuxee.de

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